Aufgabenbereiche des diplomierten Legasthenietrainers

Was genau macht ein diplomierter Legasthenietrainer? Welche Menschen unterstützt er? Und warum wird diese Expertise heute mehr denn je gebraucht? In diesem Artikel erfahren Sie alles über die vielfältigen Aufgabenbereiche dieses erfüllenden Berufs.
Diplomierte Legasthenie- und Dyskalkulietrainer – Im Dienste legasthener und dyskalkuler Menschen
Seit 1996 arbeiten diplomierte Legasthenie- und Dyskalkulietrainer in mittlerweile über 65 Ländern sehr erfolgreich mit Menschen, die von Lese-, Schreib- und Rechenproblemen betroffen sind. Ihr Einsatzgebiet erstreckt sich dabei über alle Altersgruppen: von Kleinkindern mit differenten Sinneswahrnehmungen über Schulkinder und Jugendliche bis hin zu Erwachsenen, die auch im späteren Leben noch Unterstützung suchen.
Was diese Spezialisten auszeichnet, ist ihr umfassendes Wissen sowie ihre fundierten pädagogisch-didaktischen Kenntnisse auf dem komplexen Gebiet der Legasthenie und Dyskalkulie. Anders als bei herkömmlicher Nachhilfe geht es nicht darum, einfach mehr vom Gleichen zu üben – sondern darum, die individuellen Ursachen der Schwierigkeiten zu erkennen und gezielt zu fördern.
Die Kernkompetenzen diplomierter Legasthenie- und Dyskalkulietrainer
Diplomierte Legasthenie- und Dyskalkulietrainer sind befähigt, eine Legasthenie oder Lese-Rechtschreibschwäche sowie eine Dyskalkulie oder Rechenschwäche auf pädagogisch-didaktischer Ebene zu diagnostizieren und Betroffene adäquat zu fördern.
Darüber hinaus sind sie dazu befähigt, das pädagogische AFS-Computertestverfahren (AFS-Test) zur Feststellung einer eventuell vorliegenden Legasthenie, Lese-Rechtschreibschwäche, Dyskalkulie oder Rechenschwäche einzusetzen. Dieses Testverfahren hat die pädagogische Diagnostik weltweit revolutioniert und ermöglicht eine präzise Einschätzung der individuellen Stärken und Schwächen.
Die drei Hauptarbeitsbereiche im Überblick
Die Arbeitsbereiche des diplomierten Legasthenie- und Dyskalkulietrainers lassen sich in drei wesentliche Kategorien unterteilen:
1. Training von Vorschulkindern in den Sinneswahrnehmungsbereichen
Früherkennung als Schlüssel zum Erfolg
Bereits im Vorschulalter können Anzeichen für eine spätere Legasthenie oder Dyskalkulie erkennbar sein. Kinder, die differente Sinneswahrnehmungen aufweisen, profitieren enorm von einer frühzeitigen Förderung – noch bevor die eigentlichen Probleme beim Schreiben, Lesen oder Rechnen auftreten.
Was wird trainiert?
Im Vorschulbereich liegt der Fokus auf dem Training der Sinneswahrnehmungen, die für das spätere schulische Lernen entscheidend sind:
Die optische Wahrnehmung umfasst das Erkennen von Unterschieden, das Merken von Gesehenem und das Erfassen von Reihenfolgen. Kinder lernen, Formen zu unterscheiden, Details wahrzunehmen und visuelle Informationen zu speichern.
Die akustische Wahrnehmung beinhaltet das Unterscheiden von Lauten, das Merken von Gehörtem und das Erfassen von Lautfolgen. Diese Fähigkeiten sind grundlegend für den späteren Schriftspracherwerb.
Die Raumorientierung und das Körperschema helfen dem Kind, sich im Raum zurechtzufinden, Links und Rechts zu unterscheiden und räumliche Beziehungen zu verstehen.
Der Vorteil der Frühförderung
Wenn differente Sinneswahrnehmungen bereits vor Schulbeginn trainiert werden, können viele Schwierigkeiten gar nicht erst entstehen. Das Kind startet mit besseren Voraussetzungen in die Schullaufbahn, und mögliche Frustrationen werden von Anfang an vermieden.
Typische Übungen im Vorschulbereich
Diplomierte Trainer arbeiten mit spielerischen Methoden, die dem Entwicklungsstand des Kindes entsprechen: Bewegungsspiele zur Förderung des Körperschemas, Hörspiele und Klatschübungen für die akustische Wahrnehmung, Puzzles und Formspiele für die optische Differenzierung sowie Bau- und Konstruktionsspiele für die Raumorientierung.
2. Training von Schulkindern mit Legasthenie/LRS und/oder Dyskalkulie/Rechenschwäche
Der Kernbereich der Arbeit
Das Training von Schulkindern bildet den größten Arbeitsbereich diplomierter Legasthenie- und Dyskalkulietrainer. Hier zeigt sich die volle Bandbreite der AFS-Methode, die auf drei Säulen basiert: Aufmerksamkeit, Funktionen (Sinneswahrnehmungen) und Symptom.
Die individuelle Diagnostik als Ausgangspunkt
Jedes Training beginnt mit einer gründlichen Diagnostik. Mithilfe des AFS-Testverfahrens wird festgestellt, in welchen Bereichen das Kind Unterstützung benötigt. Das Ergebnis ist ein individuelles Profil, das die Grundlage für den maßgeschneiderten Trainingsplan bildet.
Ein entscheidender Aspekt der Diagnostik ist die Unterscheidung zwischen Legasthenie (biogenetisch bedingt) und Lese-Rechtschreibschwäche (erworben) sowie zwischen Dyskalkulie und Rechenschwäche. Diese Unterscheidung ist fundamental, denn die Art der Förderung muss entsprechend angepasst werden.
Das dreigliedrige Training nach der AFS-Methode
Das Aufmerksamkeitstraining hilft dem Kind, seine Gedanken beim Umgang mit Buchstaben und Zahlen zu fokussieren. Legasthene und dyskalkule Kinder haben oft Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, wenn sie mit Symbolen arbeiten – nicht aus Faulheit, sondern weil ihr Gehirn anders funktioniert.
Das Funktionstraining zielt auf die Sinneswahrnehmungen ab, die für das Schreiben, Lesen und Rechnen benötigt werden. Je nach individuellem Profil werden optische Differenzierung, akustisches Gedächtnis, Raumorientierung und weitere Bereiche gezielt trainiert.
Das Symptomtraining arbeitet am konkreten Symptom – also am Schreiben, Lesen oder Rechnen selbst. Wichtig ist: Dieses Training macht erst dann Sinn, wenn auch Aufmerksamkeit und Funktionen trainiert werden. Nur Symptomtraining allein führt bei legasthenen und dyskalkulen Kindern nicht zum gewünschten Erfolg.
Die Zusammenarbeit mit Eltern und Schule
Ein wesentlicher Teil der Arbeit besteht in der Beratung und Einbindung der Eltern. Sie erhalten konkrete Anleitungen, wie sie ihr Kind zu Hause unterstützen können, und werden über die Hintergründe der Problematik aufgeklärt. Auch der Kontakt zur Schule kann – wenn gewünscht – Teil der Begleitung sein, etwa durch die Erstellung pädagogischer Gutachten.
Trainingsfrequenz und Dauer
Die Trainingseinheiten finden in der Regel ein- bis zweimal wöchentlich statt. Die Dauer der Förderung ist individuell verschieden – manche Kinder machen nach wenigen Monaten große Fortschritte, andere benötigen eine längere Begleitung. Das Ziel ist immer, das Kind so zu stärken, dass es langfristig selbstständig mit seinen Herausforderungen umgehen kann.
3. Training von Erwachsenen mit Legasthenie/LRS und/oder Dyskalkulie/Rechenschwäche
Ein oft übersehener Bereich
Legasthenie und Dyskalkulie sind keine Kindheitsprobleme, die sich „auswachsen“. Viele Erwachsene kämpfen ihr ganzes Leben mit Lese-, Schreib- oder Rechenschwierigkeiten – oft im Verborgenen, weil sie sich schämen oder glauben, dass ihnen nicht mehr geholfen werden kann.
Die gute Nachricht: Auch im Erwachsenenalter ist eine Förderung möglich und sinnvoll. Das Gehirn bleibt ein Leben lang lernfähig, und mit den richtigen Methoden können auch erwachsene Betroffene deutliche Verbesserungen erzielen.
Besondere Herausforderungen bei Erwachsenen
Die Arbeit mit erwachsenen Klienten unterscheidet sich in einigen Punkten von der Arbeit mit Kindern. Erwachsene haben oft über Jahrzehnte negative Erfahrungen gesammelt und Vermeidungsstrategien entwickelt. Scham und mangelndes Selbstvertrauen spielen eine große Rolle. Gleichzeitig bringen erwachsene Klienten eine hohe Motivation mit – sie kommen aus eigenem Antrieb und haben klare Ziele vor Augen.
Typische Anlässe für ein Training im Erwachsenenalter
Viele Erwachsene suchen Unterstützung, wenn sich ihre Lebensumstände ändern: Sie möchten einen neuen Beruf erlernen und müssen dafür Prüfungen ablegen. Sie wollen ihren eigenen Kindern bei den Hausaufgaben helfen. Sie streben eine Beförderung an, die mit mehr Schreibarbeit verbunden ist. Oder sie möchten einfach endlich lesen können, ohne sich ständig zu plagen.
Das Training im Erwachsenenbereich
Auch bei Erwachsenen kommt die AFS-Methode zum Einsatz, allerdings mit altersgerechten Anpassungen. Die Übungen werden auf die Lebensrealität und die Ziele des Klienten zugeschnitten. Ein Handwerker, der seine Buchhaltung selbst erledigen möchte, braucht andere Schwerpunkte als jemand, der einen Schulabschluss nachholen will.
Das Training kann sowohl in Präsenz als auch online über Fernförderung stattfinden – eine Möglichkeit, die gerade für berufstätige Erwachsene mit wenig Zeit attraktiv ist.
Das pädagogische AFS-Testverfahren – Das wichtigste Werkzeug
Ein zentrales Element der Arbeit diplomierter Legasthenie- und Dyskalkulietrainer ist das AFS-Testverfahren. Dieses computergestützte Diagnoseinstrument ermöglicht eine umfassende Einschätzung auf pädagogisch-didaktischer Ebene.
Was der AFS-Test misst
Der Test untersucht die drei namensgebenden Bereiche: Die Aufmerksamkeit beim Umgang mit Symbolen wird anhand von Bildern, Halbsymbolen und Symbolen gemessen. Die Funktionen – also die Sinneswahrnehmungen wie optische und akustische Differenzierung, Gedächtnis, Serialität sowie Raumorientierung und Körperschema – werden systematisch überprüft. Die Symptome zeigen, welche konkreten Fehler beim Schreiben, Lesen oder Rechnen auftreten.
Das Ergebnis: Ein individueller Trainingsplan
Nach der Auswertung entsteht ein grafisches Profil, das auf einen Blick zeigt, wo Förderung erforderlich ist. Auf dieser Basis erstellt der diplomierte Trainer einen maßgeschneiderten Trainingsplan – keine Standardlösung, sondern ein Programm, das genau auf die Bedürfnisse des einzelnen Menschen zugeschnitten ist.
Wo arbeiten diplomierte Legasthenie- und Dyskalkulietrainer?
Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Viele Absolventen machen sich mit einer eigenen Praxis selbstständig und bieten Einzeltraining oder Kleingruppen an. Andere arbeiten in bestehenden Einrichtungen wie Lerninstituten, Nachhilfezentren oder pädagogischen Praxen. Schulen und Kindergärten setzen diplomierte Trainer für die gezielte Förderung ein. Einige Absolventen nutzen die Ausbildung auch, um ihre bestehende Tätigkeit zu erweitern – etwa als Lehrer, Erzieher, Ergotherapeut oder Logopäde.
Die Möglichkeit der Fernförderung über digitale Plattformen eröffnet zudem die Chance, unabhängig vom Standort mit Klienten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zu arbeiten.
Der Unterschied zur Nachhilfe
Diplomierte Legasthenie- und Dyskalkulietrainer bieten keine klassische Nachhilfe. Der wesentliche Unterschied liegt im Ansatz: Während Nachhilfe den Schulstoff wiederholt und vertieft, setzt das Legasthenie- und Dyskalkulietraining an den Ursachen der Probleme an.
Ein Kind, das trotz intensiven Übens immer wieder dieselben Fehler macht, braucht keine weitere Nachhilfe – es braucht ein Training, das seine spezifischen Wahrnehmungsbereiche stärkt. Genau das leistet ein diplomierter Trainer mit der AFS-Methode.
Wie wird man diplomierter Legasthenietrainer?
Der Weg zum diplomierten Legasthenie- oder Dyskalkulietrainer führt über ein Fernstudium beim Ersten Österreichischen Dachverband Legasthenie (EÖDL). Das Studium ist so konzipiert, dass es neben Beruf und Familie absolviert werden kann.
Das Hauptfernstudium umfasst 24 ECTS-Punkte mit einer Mindeststudienzeit von 8 Monaten und einer maximalen Studiendauer von 2 Jahren. Die Inhalte sind praxisorientiert aufgebaut – der Großteil stammt „aus der Praxis für die Praxis“.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Sie ein Diplom und sind berechtigt, die geschützte Berufsbezeichnung „Diplomierter Legasthenietrainer“ oder „Diplomierter Dyskalkulietrainer“ zu führen. Diese Bezeichnungen dürfen ausschließlich von Absolventen des EÖDL verwendet werden.
Ein Beruf mit Zukunft
Der Bedarf an qualifizierten Legasthenie- und Dyskalkulietrainern ist groß – und er wächst. Schätzungen zufolge sind 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung von Legasthenie oder Dyskalkulie betroffen. Viele dieser Menschen erhalten keine adäquate Förderung, weil es nicht genügend Spezialisten gibt.
Wer sich für diesen Beruf entscheidet, wählt eine Tätigkeit mit echtem Sinn: Sie helfen Menschen, ihre Potenziale zu entfalten, stärken das Selbstvertrauen von Kindern und Erwachsenen und machen einen spürbaren Unterschied im Leben Ihrer Klienten.
Häufig gestellte Fragen
Was unterscheidet einen diplomierten Legasthenietrainer von anderen Förderkräften?
Diplomierte Legasthenie- und Dyskalkulietrainer haben eine fundierte Ausbildung absolviert, die speziell auf die Arbeit mit legasthenen und dyskalkulen Menschen ausgerichtet ist. Sie verfügen über das Wissen und die Werkzeuge, um eine pädagogische Diagnostik durchzuführen und individuell angepasste Trainingspläne zu erstellen. Anders als bei allgemeiner Nachhilfe oder Lernförderung arbeiten sie mit der wissenschaftlich fundierten AFS-Methode.
Kann ein diplomierter Legasthenietrainer eine medizinische Diagnose stellen?
Nein, diplomierte Legasthenie- und Dyskalkulietrainer arbeiten auf pädagogisch-didaktischer Ebene. Sie stellen keine medizinischen oder psychologischen Diagnosen, sondern führen eine pädagogische Feststellung durch. Für medizinische Diagnosen sind Ärzte oder klinische Psychologen zuständig. Die pädagogische Feststellung ist jedoch die Grundlage für eine gezielte Förderung.
Wie lange dauert ein Training bei einem diplomierten Legasthenietrainer?
Die Dauer ist individuell verschieden und hängt von vielen Faktoren ab: dem Alter des Klienten, der Ausprägung der Problematik, der Regelmäßigkeit des Trainings und der häuslichen Unterstützung. Manche Kinder zeigen nach wenigen Monaten deutliche Fortschritte, andere benötigen eine längere Begleitung. Ein guter Trainer bespricht die voraussichtliche Dauer offen mit den Eltern oder erwachsenen Klienten.
Können auch Erwachsene von einem Legasthenietraining profitieren?
Ja, unbedingt. Das Gehirn bleibt ein Leben lang lernfähig, und die AFS-Methode ist für alle Altersgruppen geeignet. Viele erwachsene Klienten berichten von deutlichen Verbesserungen und einem gestärkten Selbstvertrauen. Die Übungen werden an die Lebensrealität und die Ziele des erwachsenen Klienten angepasst.
Ist die Berufsbezeichnung „Legasthenietrainer“ geschützt?
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Sie ein Diplom und sind berechtigt, sich als „Diplomierter Legasthenietrainer des EÖDL“ oder „Diplomierter Dyskalkulietrainer des EÖDL“ zu bezeichnen. Diese Begriffe wurden 1996 vom EÖDL geprägt und stehen für eine fundierte, qualitätsgesicherte Ausbildung auf diesem Gebiet.
Wo finde ich einen diplomierten Legasthenietrainer in meiner Nähe?
Auf den Plattformen des EÖDL finden Sie diplomierte Trainer in Ihrer Region. Alternativ bieten viele Trainer auch Fernförderung an, sodass Sie unabhängig von Ihrem Wohnort professionelle Unterstützung erhalten können.
https://www.legasthenietrainer.com
https://www.dyskalkulietrainer.com
Ihr nächster Schritt
Sie interessieren sich für die Ausbildung zum diplomierten Legasthenietrainer oder Dyskalkulietrainer? Dann informieren Sie sich über unser Fernstudium. Alle Details finden Sie unter:
www.legastheniefernstudium.com www.dyskalkuliefernstudium.com
Bei Fragen steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung – per E-Mail, Telefon, WhatsApp oder Live-Chat. Wir freuen uns auf Sie!


