Die 10 besten Raumorientierungsübungen für Kinder – So trainieren Sie die räumliche Wahrnehmung spielerisch
Die Raumorientierung

Warum kann mein Kind „links“ und „rechts“ nicht unterscheiden? Weshalb fällt es ihm schwer, sich auf einem Blatt Papier zu orientieren? Die Antwort liegt oft in einer differenten Raumorientierung – und die gute Nachricht ist: Sie lässt sich gezielt trainieren.
Eine intakte Sinnesleistung, die Raumorientierung, wird von Kindern verlangt, damit sie wissen, wo man im Heft zu schreiben beginnt oder wieviel man noch in die bereits ziemlich volle Zeile schreiben kann. Zu verhindern sind ungleiche Zeilenabstände oder das Verlieren der Zeile.
Beim Lesen fallen Kinder mit Raumorientierungsproblemen besonders durch sehr langsames und unsicheres Lesen auf. Diese Leistungen hängen mit der Raumwahrnehmung zusammen. Das gesamte Raum- und Zeitgefüge fällt auch hier hinein. Kinder mit Raumwahrnehmungsproblemen können ihre Position im Raum nicht richtig einschätzen. Sie haben oftmals ein sehr schlechtes Zeitgefühl und ein geringes Orientierungsvermögen. Die Kinder finden sich in Gebäuden oder auf unbekanntem Gelände eher schlecht zurecht. Ihre Handlungsplanung ist unsicher, oft sogar ungeschickt. Sie haben ihre eigene Ordnung, mit der nur sie zurechtkommen können. Sie bringen ihr Umfeld damit mitunter zur Verzweiflung. Auch ihr Bewegungsablauf ist auffällig, was sich besonders bei Bewegungsspielen zeigt. Das Radfahren oder Schwimmen macht ihnen große Mühe, auch das Anziehen. Distanzen, Größen oder Einheiten sind für sie nichts Greifbares. Oftmals ist auch eine Rechts-links-Verwechslung zu bemerken. Durch viele „altmodische“ Spiele wie einfache Sandkastenspiele, welche heute nur noch selten ausgeführt werden, wurden früher nicht nur diese Defizite stark reduziert, sondern auch alle anderen Sinneswahrnehmungen trainiert.

Was ist Raumorientierung und warum ist sie so wichtig?
Die Raumorientierung ist eine der grundlegenden Sinneswahrnehmungen, die für das erfolgreiche Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen entscheidend ist. Sie ermöglicht es uns, Beziehungen zwischen Objekten zu verstehen, uns im Raum zurechtzufinden und Symbole wie Buchstaben und Zahlen korrekt wahrzunehmen.
Kinder mit einer differenten Raumorientierung haben häufig Schwierigkeiten, ähnlich aussehende Buchstaben wie „b“ und „d“ oder Zahlen wie „6″ und „9″ zu unterscheiden. Sie verlieren beim Lesen die Zeile, haben Probleme beim Schreiben in Linien oder können geometrische Formen nicht richtig erfassen.
Die AFS-Methode, die vom Ersten Österreichischen Dachverband Legasthenie entwickelt wurde, berücksichtigt die Raumorientierung als einen wesentlichen Bestandteil des Funktionstrainings. Denn: Ohne ein funktionierendes räumliches Vorstellungsvermögen ist fehlerfreies Schreiben, Lesen und Rechnen kaum möglich.
Im Folgenden stellen wir Ihnen zehn bewährte Übungen vor, mit denen Sie die Raumorientierung bei Kindern gezielt fördern können.
Die besten 10 Raumorientierungsübungen:
1. Figuren ergänzen – Symmetrie verstehen
So funktioniert’s: Der Trainer zeichnet auf ein großes Packpapier oder eine Tafel die Hälfte einer symmetrischen Figur – etwa ein halbes Rechteck, einen halben Kreis oder ein halbes Herz. Die Aufgabe des Kindes ist es, die fehlende Hälfte zu ergänzen.
Warum es hilft: Diese Übung schult das Verständnis für Symmetrie und räumliche Proportionen. Das Kind muss sich vorstellen, wie die vollständige Figur aussehen würde, und diese Vorstellung dann motorisch umsetzen. Gleichzeitig wird die Auge-Hand-Koordination trainiert.
Variationen: Beginnen Sie mit einfachen geometrischen Formen und steigern Sie den Schwierigkeitsgrad mit komplexeren Figuren wie Schmetterlingen, Häusern oder Gesichtern.
2. Tangramspiel – Formen im Kopf zusammensetzen
So funktioniert’s: Der Trainer legt mit den Tangramteilen ein räumliches Muster. Das Kind betrachtet dieses Muster aufmerksam und hat dann die Aufgabe, es innerhalb von fünf Minuten aus dem Gedächtnis nachzubilden. Alternativ kann dem Kind auch eine Vorlage zur direkten Nachbildung gegeben werden.
Warum es hilft: Tangram ist ein jahrhundertealtes Legespiel aus China, das die räumliche Vorstellungskraft in besonderem Maße fördert. Das Kind lernt, wie einzelne Teile zueinander in Beziehung stehen und wie sie sich zu einem Ganzen zusammenfügen lassen.
Variationen: Für Anfänger können Sie mit nur drei oder vier Tangramteilen beginnen. Fortgeschrittene können versuchen, eigene Figuren zu erfinden und diese dann dem Trainer zur Nachbildung vorzulegen.
3. Positionen-Spiel – Präpositionen richtig verwenden
So funktioniert’s: Auf einem Tisch werden verschiedene Gegenstände in unterschiedlichen Positionen zueinander angeordnet – etwa eine Vase, ein Buch, ein Apfel und ein Stift. Das Kind soll nun die räumlichen Beziehungen der Gegenstände zueinander beschreiben und dabei die korrekten Präpositionen verwenden: „Die Vase steht auf dem Tisch. Das Buch liegt neben der Vase. Der Stift liegt unter dem Buch.“
Warum es hilft: Diese Übung verbindet räumliches Denken mit sprachlicher Kompetenz. Das Kind lernt, räumliche Beziehungen zu erkennen und diese präzise zu benennen. Dies ist eine wichtige Grundlage für das Textverständnis und das Verfassen eigener Texte.
Variationen: Das Spiel kann umgekehrt werden: Der Trainer gibt Anweisungen wie „Stelle die Vase hinter das Buch“, und das Kind führt diese aus.
4. Luftmalerei – Mit geschlossenen Augen orientieren
So funktioniert’s: Das Kind schließt die Augen und folgt den Anweisungen des Trainers. Dieser nennt Buchstaben, Zahlen oder Formen, die das Kind mit dem Finger, der ganzen Hand oder einem Hilfsmittel wie einem Stab in die Luft malen soll.
Warum es hilft: Durch das Schließen der Augen wird die visuelle Kontrolle ausgeschaltet. Das Kind muss sich ganz auf sein Körpergefühl und seine innere Vorstellung verlassen. Dies stärkt das Körperschema und die räumliche Vorstellungskraft.
Variationen: Um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, kann das Kind aufgefordert werden, mit beiden Händen gleichzeitig zu malen – entweder dieselbe Form oder spiegelverkehrt.
5. Labyrinth – Den Weg finden
So funktioniert’s: Das Kind erhält ein Arbeitsblatt mit einem Labyrinth und hat die Aufgabe, den schnellstmöglichen Weg vom Start zum Ziel zu finden und mit einem Stift einzuzeichnen. Wichtig: Die Wände des Labyrinths dürfen dabei nicht berührt werden.
Warum es hilft: Labyrinthe trainieren die visuelle Wahrnehmung, die Feinmotorik und die Fähigkeit, vorausschauend zu planen. Das Kind muss räumliche Zusammenhänge erfassen und Entscheidungen treffen, bevor es den Stift ansetzt.
Variationen: Beginnen Sie mit einfachen Labyrinthen und steigern Sie die Komplexität. Fortgeschrittene Kinder können versuchen, das Labyrinth zunächst nur mit den Augen zu lösen, bevor sie den Stift ansetzen.
Tipp: Arbeitsblätter mit Labyrinthen finden Sie kostenlos auf unseren Übungsplattformen.
6. Tastspiel – Formen erfühlen
So funktioniert’s: Verschiedene Alltagsgegenstände wie ein Bleistift, ein Radiergummi, eine Münze, ein Schlüssel oder ein kleiner Ball werden zunächst gemeinsam besprochen und betastet. Anschließend werden die Objekte unter einem Tuch versteckt. Das Kind greift unter das Tuch, erfühlt einen Gegenstand und benennt ihn, ohne ihn zu sehen.
Warum es hilft: Diese Übung schult die taktile Wahrnehmung und das räumliche Vorstellungsvermögen. Das Kind muss aus den erfühlten Informationen ein mentales Bild des Gegenstands konstruieren – eine wichtige Fähigkeit für die räumliche Orientierung.
Variationen: Für fortgeschrittene Kinder können geometrische Holzformen verwendet werden, die erfühlt und dann aus dem Gedächtnis gezeichnet werden sollen.
7. Orientierung am Papier – Oben, unten, links, rechts
So funktioniert’s: In die Mitte eines Blattes wird ein Gegenstand gezeichnet oder geklebt – zum Beispiel ein Haus. Der Trainer gibt nun Anweisungen, und das Kind setzt entsprechende Symbole oder Gegenstände ein: „Zeichne oben rechts einen Baum. Zeichne unten links den Buchstaben A. Male oben in der Mitte eine Sonne.“
Warum es hilft: Diese Übung trainiert gezielt die Orientierung auf dem Papier – eine Fähigkeit, die für das Schreiben in Zeilen und das Arbeiten mit Arbeitsblättern unerlässlich ist. Das Kind lernt, Begriffe wie „oben“, „unten“, „links“, „rechts“ und „Mitte“ sicher anzuwenden.
Variationen: Das Spiel kann auch umgekehrt werden: Das Kind beschreibt, wo sich bestimmte Elemente auf einem fertigen Bild befinden.
8. Synchronmalen – Beide Gehirnhälften aktivieren
So funktioniert’s: Das Kind malt mit beiden Händen gleichzeitig – entweder auf einer großen Tafel oder auf einem Packpapier, das auf dem Boden oder an der Wand befestigt ist. Beide Hände führen dieselben Bewegungen aus und zeichnen parallel zueinander.
Warum es hilft: Das gleichzeitige Malen mit beiden Händen fördert die Zusammenarbeit beider Gehirnhälften und stärkt die bilaterale Koordination. Dies hat positive Auswirkungen auf die räumliche Wahrnehmung und die allgemeine Lernfähigkeit.
Variationen: Fortgeschrittene können versuchen, spiegelverkehrte Bewegungen auszuführen – während die linke Hand nach links geht, bewegt sich die rechte Hand nach rechts.
9. Bildbeschreibung – Details räumlich zuordnen
So funktioniert’s: Dem Kind wird ein detailreiches Bild vorgelegt – etwa eine Wimmelbildszene oder eine Illustration mit vielen Elementen. Der Trainer stellt gezielte Fragen zur räumlichen Position der Details: „Was siehst du oben links? Wer steht neben dem Baum? Was befindet sich unter der Brücke?“
Warum es hilft: Diese Übung verbindet visuelle Wahrnehmung mit räumlicher Orientierung und sprachlichem Ausdruck. Das Kind lernt, ein komplexes Bild systematisch zu erfassen und räumliche Beziehungen zu benennen.
Variationen: Das Kind kann auch selbst Fragen formulieren, die der Trainer oder ein anderes Kind beantworten muss.
10. Bausteinspiel – Räumliche Beziehungen beschreiben
So funktioniert’s: Drei Bausteine werden vor dem Kind angeordnet – beispielsweise steht einer links, einer rechts und einer liegt dazwischen. Das Kind beschreibt die räumliche Anordnung der Bausteine zueinander.
Warum es hilft: Diese einfache, aber wirkungsvolle Übung trainiert das Erkennen und Verbalisieren räumlicher Beziehungen. Sie bildet eine gute Grundlage für das Verständnis von geometrischen Konzepten und mathematischen Lagebeziehungen.
Variationen: Die Anzahl der Bausteine kann schrittweise erhöht werden. Fortgeschrittene Kinder können versuchen, eine vom Trainer beschriebene Anordnung nachzubauen, ohne sie zu sehen.
Weitere empfehlenswerte Aktivitäten für die Raumorientierung
Neben den gezielten Übungen gibt es zahlreiche Alltagsaktivitäten und Spiele, die die räumliche Wahrnehmung auf natürliche Weise fördern:
Bewegungsspiele: Radfahren, Ballspiele mit Fangen, Seilspringen und Balancieren schulen das Körpergefühl und die räumliche Orientierung in Bewegung.
Geschicklichkeitsspiele: Jonglieren und Tischtennis erfordern eine präzise Einschätzung von Entfernungen und Geschwindigkeiten.
Gleichgewichtsübungen: Das Training des Gleichgewichtssinns ist eng mit der Raumorientierung verknüpft.
Computerspiele: Tetris ist ein klassisches Beispiel für ein Spiel, das die räumliche Vorstellungskraft fördert. Auch werbefreie Computerspiele zum Thema Raumwahrnehmung können sinnvoll eingesetzt werden.
Schnitzeljagd: Das Suchen nach versteckten Gegenständen anhand von Hinweisen trainiert die Orientierung im realen Raum.
Fazit: Regelmäßiges Training bringt den Erfolg
Die Raumorientierung ist eine trainierbare Fähigkeit. Mit regelmäßigen, spielerischen Übungen können Kinder ihre räumliche Wahrnehmung deutlich verbessern. Wichtig ist dabei, dass das Training Freude macht und das Kind nicht überfordert wird.
Als diplomierter Legasthenietrainer oder Dyskalkulietrainer lernen Sie, die individuellen Stärken und Schwächen eines Kindes zu erkennen und einen maßgeschneiderten Trainingsplan zu erstellen. Die Raumorientierung ist dabei nur einer von mehreren Bereichen, die im Rahmen der AFS-Methode trainiert werden.
Sie möchten mehr erfahren? Auf unseren Plattformen finden Sie zahlreiche kostenlose Arbeitsblätter zum Thema Raumorientierung sowie werbefreie Computerspiele zur Förderung der Raumwahrnehmung.
Haben Sie Fragen zu den Übungen oder zur Ausbildung zum diplomierten Legasthenietrainer? Kontaktieren Sie uns – wir helfen Ihnen gerne weiter!
Drei Bausteine werden vor dem Kind angeordnet. Das Kind beschreibt die Lage der Bausteine. Die Anzahl der Bausteine kann erhöht werden.
Arbeitsblätter zum Thema Raumorientierung
Werbefreie Computerspiele zum Thema Raumwahrnehmung
Weiters wären empfehlenswert: Tetris, Radfahren, Ballspiele mit Fangen, Jonglieren, Tischtennis, Seilspringen, Balancieren, Gleichgewichtsübungen und Schnitzeljagd.
Aus dem Buch: Legasthenie – Training nach der AFS-Methode, Dr. Astrid Kopp-Duller, 6. überarbeitete Auflage.
http://www.legasthenie.com/afs/
Häufig gestellte Fragen zur Raumorientierung
Was genau versteht man unter Raumorientierung?
Die Raumorientierung umfasst die Wahrnehmung und Beziehung des eigenen Körpers zu anderen Körpern oder Gegenständen im Raum. Sie gehört zu den wichtigsten Vorläuferfertigkeiten für das schulische Lernen – insbesondere für Schreiben, Rechnen und Geometrie.
Welche Teilbereiche gehören zur Raumorientierung?
Die Raumorientierung lässt sich in vier Hauptbereiche unterteilen: Lagebeziehungen (Raumlage und Raumrichtung), geometrische Kenntnisse (Formen, Symmetrie, Größenverhältnisse), räumliches Vorstellungsvermögen (Bauanleitungen umsetzen, Karten lesen) und das Körperschema (den eigenen Körper wahrnehmen, die Körpermitte kennen).
Was sind Lagebeziehungen?
Lagebeziehungen beschreiben, wo sich ein Gegenstand in Bezug auf einen anderen befindet (Raumlage) und in welche Richtung sich etwas bewegt (Raumrichtung). Dazu gehören Begriffe wie links, rechts, oben, unten, vorne, hinten, vorwärts, rückwärts und geradeaus.
Warum ist das Körperschema wichtig für die Raumorientierung?
Das Körperschema bildet die Grundlage für jede räumliche Orientierung. Ein Kind muss zunächst seinen eigenen Körper wahrnehmen und wissen, wo sich seine Körperteile befinden, bevor es räumliche Beziehungen zu anderen Objekten verstehen kann. Dazu gehört auch, die eigene Körpermitte zu kennen und Links und Rechts unterscheiden zu können.
Woran erkenne ich, dass mein Kind Probleme mit der Raumorientierung hat?
Typische Anzeichen sind Schwierigkeiten beim Unterscheiden von links und rechts, Probleme beim Schreiben in Linien, Verwechseln ähnlicher Buchstaben wie „b“ und „d“ oder Zahlen wie „6″ und „9″, Orientierungsprobleme in neuen Umgebungen sowie Schwierigkeiten beim Nachbauen von Mustern oder beim Einhalten von Größenverhältnissen beim Zeichnen.
Ab welchem Alter sollte ein Kind über grundlegende Raumorientierung verfügen?
Bei Schuleintritt sollten Kinder die wichtigsten räumlichen Begriffe kennen, Grundformen erkennen können, einfache Symmetrien verstehen und sich in neuen Umgebungen zurechtfinden. Die vollständige Ausreifung der Raumorientierung entwickelt sich jedoch über mehrere Jahre weiter.
Kann man die Raumorientierung trainieren?
Ja, die Raumorientierung ist eine trainierbare Fähigkeit. Mit gezielten, spielerischen Übungen – wie den oben beschriebenen – können Kinder ihre räumliche Wahrnehmung deutlich verbessern. Regelmäßiges Training und Geduld sind dabei entscheidend für den Erfolg.
Welche Auswirkungen hat eine schwache Raumorientierung auf das Lernen?
Eine differente Raumorientierung kann sich auf viele schulische Bereiche auswirken: Beim Schreiben werden Buchstaben verdreht oder in falscher Reihenfolge geschrieben, beim Lesen wird die Zeile verloren, beim Rechnen entstehen Probleme mit Stellenwerten und in der Geometrie fällt das Erkennen und Zeichnen von Formen schwer.
Wo finde ich weitere Übungsmaterialien?
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