Allen Diskussionen zum Thema
"Legasthenie oder Schreib-Leseschwäche", die von Pädagogen und Eltern geführt
werden, ist die Intention gemeinsam, betroffenen Kindern helfen zu wollen.
Über WEN, WER, WIE, WANN oder WO gehen die Meinungen auseinander. Auch
die pädagogisch-psychologische Literatur, die in Österreich zu diesem Thema umfangreich
ist (Schenk-Danzinger, Kowarik, Klicpera u.v.a.), ist widersprüchlich und das seit
Jahrzehnten. Aufgrund der unterschiedlichen theoretischen Konzepte, die dem Begriff
Legasthenie zugrunde liegen, verwundert es nicht, dass dieser Begriff auch so etwas wie
"Modeströmungen" mitmacht. Einmal werden mehr spezielle oder isolierte
Teilleistungsstörungen bei durchschnittlicher oder überdurchschnittlicher Intelligenz in
den Vordergrund gerückt wie z.B. bei Umstellungsfehlern, ein andermal der Zusammenhang
zwischen Erstunterricht Lesen/Schreiben, gestörtem Lernverhalten, Sprachschwäche und der
sichtbaren Lese-Rechtschreibschwäche hergestellt. Die Diagnose von legasthenen Kindern
ist also auch vom theoretischen Hintergrund von Pädagogen, Psychologen und Betreuern
abhängig.
Im Interesse von Kindern und auch Jugendlichen, die mit Lesen,
Schreiben, Rechtschreiben und sprachlichem Ausdruck deutliche Probleme haben, erscheint
mir auf alle Fälle notwendig, nicht nur einfache Schlüsse zu ziehen ("ist halt
faul, soll mehr lernen, soll sich besser konzentrieren etc."), sondern auch
Überlegungen zur Stützung und Hilfe anzustellen. Diese Hilfen müssen auch auf die
Entmutigung durch häufige schulische Mißerfolgserlebnisse eingehen und danach trachten,
die Selbstachtung der Kinder und Jugendlichen zu erhalten oder wiederherzustellen. Sie
brauchen besonders viel Zeit und Geduld.
Mir erscheint ein integrativer Ansatz im Umgang mit
legasthenen/lese-rechtschreibschwachen Schülern und Schülerinnen effektiv. Das heißt,
sowohl auf förderliche Bedingungen im Unterricht nicht nur in den Volksschulen,
sondern auch in weiterführenden Schulen wie Hauptschulen und höheren Schulen ist
zu achten, als auch auf individuelles, spezifisches, teilleistungsbezogenes Training. Die
Förderung braucht aber auch die Mithilfe der Eltern und die Beratung durch Experten.
Mit der Hilfe für diese Kinder sollte so früh wie möglich begonnen
werden. Nur bei entsprechend konsequenten und engagiertem vorgehen kann gemeinsam das Ziel
erreicht werden, dass die Anforderungen, die unsere Informationsgesellschaft an das Lesen
und Schreiben stellt, auch von diesen Kindern und Jugendlichen bewältigt werden können.