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Austrian Legathenie News - Jahrgang 1, Ausgabe 3

Legasthenie oder Schreib-Leseschwäche?
Ein Beitrag vom amtsführenden Präsidenten des Landesschulrates für Kärnten

Mag. Werner Glas

Mag. Werner Glas

Allen Diskussionen zum Thema "Legasthenie oder Schreib-Leseschwäche", die von Pädagogen und Eltern geführt werden, ist die Intention gemeinsam, betroffenen Kindern helfen zu wollen.

Über WEN, WER, WIE, WANN oder WO gehen die Meinungen auseinander. Auch die pädagogisch-psychologische Literatur, die in Österreich zu diesem Thema umfangreich ist (Schenk-Danzinger, Kowarik, Klicpera u.v.a.), ist widersprüchlich und das seit Jahrzehnten. Aufgrund der unterschiedlichen theoretischen Konzepte, die dem Begriff Legasthenie zugrunde liegen, verwundert es nicht, dass dieser Begriff auch so etwas wie "Modeströmungen" mitmacht. Einmal werden mehr spezielle oder isolierte Teilleistungsstörungen bei durchschnittlicher oder überdurchschnittlicher Intelligenz in den Vordergrund gerückt wie z.B. bei Umstellungsfehlern, ein andermal der Zusammenhang zwischen Erstunterricht Lesen/Schreiben, gestörtem Lernverhalten, Sprachschwäche und der sichtbaren Lese-Rechtschreibschwäche hergestellt. Die Diagnose von legasthenen Kindern ist also auch vom theoretischen Hintergrund von Pädagogen, Psychologen und Betreuern abhängig.

Im Interesse von Kindern und auch Jugendlichen, die mit Lesen, Schreiben, Rechtschreiben und sprachlichem Ausdruck deutliche Probleme haben, erscheint mir auf alle Fälle notwendig, nicht nur einfache Schlüsse zu ziehen ("ist halt faul, soll mehr lernen, soll sich besser konzentrieren etc."), sondern auch Überlegungen zur Stützung und Hilfe anzustellen. Diese Hilfen müssen auch auf die Entmutigung durch häufige schulische Mißerfolgserlebnisse eingehen und danach trachten, die Selbstachtung der Kinder und Jugendlichen zu erhalten oder wiederherzustellen. Sie brauchen besonders viel Zeit und Geduld.

Mir erscheint ein integrativer Ansatz im Umgang mit legasthenen/lese-rechtschreibschwachen Schülern und Schülerinnen effektiv. Das heißt, sowohl auf förderliche Bedingungen im Unterricht – nicht nur in den Volksschulen, sondern auch in weiterführenden Schulen wie Hauptschulen und höheren Schulen – ist zu achten, als auch auf individuelles, spezifisches, teilleistungsbezogenes Training. Die Förderung braucht aber auch die Mithilfe der Eltern und die Beratung durch Experten.

Mit der Hilfe für diese Kinder sollte so früh wie möglich begonnen werden. Nur bei entsprechend konsequenten und engagiertem vorgehen kann gemeinsam das Ziel erreicht werden, dass die Anforderungen, die unsere Informationsgesellschaft an das Lesen und Schreiben stellt, auch von diesen Kindern und Jugendlichen bewältigt werden können.

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