| Austrian Legathenie News - Jahrgang 1, Ausgabe 2
USA: Bundesstaatengesetz für legasthene Kinder
Kann es sein, dass intelligente Kinder aufgrund nicht ausgebilderter unwissender
Lehrer keinen Nutzen aus der Schulbildung ziehen?
Ein Bundesstaatengesetz - Sektion 504 - in den Vereinigten Staaten,garantiert
amerikanischen legasthenen Kindern, dass sie in der Schule das Lesen und das Schreiben
erlernen.
Sollte das Recht dieser Kinder vom Schulbezirk ignoriert werden, so
haben die Eltern die Möglichkeit gegen die Schulbehörde vorzugehen.
Es werden in den USA dafür bestehende Schulprogramme umgestellt, um so
legasthenen Kindern gerecht zu werden. Es werden zum Beispiel Tests ohne Zeitbegrenzung
durchgeführt. Den legasthenen Kindern wird eine verstärkte Beschäftigung mit dem
Computer in der Schule ermöglicht.
So hat der Schüler die Chance sich zu entwickeln, bevor er einen
Stempel aufgedrückt bekommt, der ihn seine ganze Schullaufbahn verfolgen wird.
Legasthene Schüler haben das gleiche Ziel, wie die anderen
Schulkollegen, aber die Lernmethode ist eine andere.
Lehrer mit zusätzlicher Ausbildung auf dem Gebiet der Lese- und
Rechtschreibschwäche werden ausgewählt, um legasthenen Kindern zu helfen.
1968 definierte die "World Federation of Neurology" Dyslexie
als eine Störung, die sich darin zeigt, dass ein Mensch Schwierigkeiten beim Erlernen des
Lesens und des Schreibens hat, trotz adäquater Intelligenz und soziokultureller
Gelegenheit. Auch bei guter häuslicher Umgebung und guten Schulen, sowie normaler
Intelligenz des Kindes können Schwierigkeiten auftreten.
Man nimmt heute an, dass die organische Grundlage der Dyslexie von
Geburt an feststeht. Dr. Bruce Pennington, Professor an der Universität von Denver:
"Der größte Risikofaktor für Dyslexie ist, wenn sie schon im engeren Familienkreis
aufgetreten ist."
Beverly Wolf, Direktor der Hamlin Robinson Schule für legasthene
Kinder in Seattle: "Je länger Sie warten, desto schlammiger sind die Gewässer
!"
Wenn das Problem der Legasthenie ignoriert oder verdrängt wird, so
verschlimmert sich oft der psychische Zustand des Betroffenen drastisch. Deshalb ist es so
wichtig, Legasthenie im Interesse des jeweiligen Kindes so früh wie möglich in den Griff
zu bekommen.
Kommentar von Mario Engel
Eigentlich ist es schon unglaublich, dass in einem hochzivilisierten
und angeblich übersozialen Staat wie Österreich es weder Schulen für Legastheniker
gibt, noch offiziell Rücksicht auf diesen Sachbestand genommen werden muss. Kann es denn
sein, dass intelligente Kinder aufgrund nicht ausgebildeter unwissender Lehrer keinen
Nutzen aus der Schulbildung ziehen, sondern sogar einen Schaden? Kann es sein, dass Kinder
aufgrund der psychischen Belastung Selbstmord verüben, nur weil sie dem Druck des Übens
und Lernens nicht mehr standhalten? Sicher ist es leicht zu sagen, woanders geht es
besser, aber wir sagen, hier in Österreich muss es besser werden, denn wir wollen nicht
länger zulassen, dass so viele Talente in unseren Bildungsstätten verheizt statt
gefördert werden.
Leserbrief zu diesem Artikel

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