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Austrian Legathenie News - Ausgaben 1-5

Unsere Leser fragen, Frau Dr. Kopp - Duller antwortet

Dr. Astrid Kopp-Duller

Der Klassenlehrer hat gesagt, mein Kind könnte legsthenisch sein. Er selbst scheint über dieses Problem auch nicht genau informiert zu sein. Was soll ich tun ?
Antwort:
Ob ein Kind eine Legasthenie hat, kann nur durch einen Spezialisten festgestellt werden. Da Legasthenie nur ein Überbegriff für eine differenzierte Wahrnehmung ist, die in verschiedenen Teilleistungsgebieten ihre Ursache hat, muss ihr Kind, sollte sich die Vermutung des Klassenlehrers bewahrheiten, in diesen speziellen Bereichen intensiv und individuell geschult werden.

Mein Kind ist ständig unkonzentriert. Seine Lehrerin hat mich deshalb schon mehrmals in die Schule geholt. Nachdem er auch sehr viel Fehler beim Schreiben und sogar beim Abschreiben macht, habe ich die Vermutung, das er eine Legasthenie haben könnte. Was kann ich tun ?
Antwort:
Legasthene Kinder werden fälschlich oft als unkonzentriert bezeichnet. Tatsächlich gelingt es ihnen nicht immer ihre Aufmerksamkeit auf Tätigkeiten zu richten, die mit Schreiben und Lesen zusammenhängen. Andererseits sind sie bei einer Sache wie Legospiele mit einer Ausdauer und Hingabe bei der Sache, die beim Erwachsenen Erstaunen auslösen kann. Das Kind dann global als unkonzentriert zu bezeichnen, ist wohl nicht angebracht. Buchstaben und manch-mal auch Zahlen bringen den legasthen Menschen in eine gewisse Verwirrung, sie können ihre Gedanken nicht mehr auf das lenken, was sie gerade machen. Es kommt zu eigenartigen Fehlererscheinungen, sogar beim Abschreiben. Sie sollten so schnell wie möglich durch einen Spezialisten feststellen lassen, ob ihr Kind legasthen ist. Sollte sich ihr Verdacht bestätigen, müßten sie ihrem Kind eine spezielle Förderung angedeihen lassen.

Mein Kind wollte sich schon umbringen, weil es immer als "Klassentodel" hingestellt wird. Die Lehrerin nimmt nicht zur Kenntnis, dass mein Sohn ein Legastheniker ist. Obwohl ich im Besitz eines Befundes diesbezüglich bin. Die ganze Familie leidet unter diesem Zustand, ich weiß mir keinen Rat mehr.
Antwort:
Leider muß ich ihnen mitteilen, dass es zur Zeit in Österreich keine gesetzliche Grundlage gibt, wonach legasthene Kinder eine differenzierte Beurteilung, die sie dringend brauchen würden, bekommen könnten.
So ist es leider jedem Lehrer individuell überlassen, wie er zum Thema Legasthenie steht und wieviel er über dieses Phänomen weiß. Natürlich hätte jeder Lehrer die Möglichkeit, auch ohne Schulgesetz ein legasthenes Kind mehr nach seinen mündlichen Leistungen zu beurteilen, doch scheuen viele Lehrer davor zurück.

Es würde mich interessieren, ob der Legasthenietest, der in der Volksschulen oftmals mit ganzen Klassen gemacht wird, tatsächlich eine sichere Methode ist, legasthenische Kinder herauszufinden. Ich unterrichte in einer 2. Klasse und hätte durch eine zusätzliche Stunde die Möglichkeit einige Kinder zu fördern.
Antwort:
Der Test den Sie ansprechen ist ungefähr zwanzig Jahre alt und überholt. Heute weiß man, dass eine Legasthenie durch Schriftproben alleine nicht dignostiziert werden kann. Das Legastheniephänomen ist leider viel komplexer und komplizierter. Soll ein legasthenes Kind wirkungsvoll gefördert werden, so ist durch einen Fachmann festzustellen, welche Teilleistungsbereiche die jeweilige Legasthenie eines Kindes verursachen. Das Wort Legasthenie ist nur als Überberiff zu sehen, gemeint sind damit Erscheinungsformen, die sich im Lese-, Schreib- und Rechenbereich bemerkbar machen können. Probleme in allen drei Bereichen fußen aber in den gleichen individuell verschiedenen Teilleistungsbereichen. Weiß man also nicht genau welche Probleme die individuelle Legasthenie eine Kindes ausmachen, so wird keine gezielte Förderung stattfinden können. Auch ein Gruppenunterricht ist für legasthene Kinder unbedingt abzulehnen, da diese Kinder eine individuell auf ihre Probleme abgestimmte Förderung brauchen.

Als ich in meinen Bekanntenkreis erzählte, dass mein Sohn Legastheniker ist, hörte ich nicht nur einmal sinngemäß :" Doch nicht der Thomas, der ist doch so ein schlaues Bürschchen!" Offensichtlich wird von vielen Leuten Legasthenie mit Dummheit verwechselt, nun traue ich mich gar nicht mehr, diesen Umstand an die große Glocke zu hängen, da ich fürchte mein Sohn könnte als Idiot abgestempelt werden.
Antwort:
Sie haben recht, viele Leute, die sich mit dieser Sache nicht beschäftigen, glauben Legasthenie hat etwas mit verminderter Intelligenz zu tun. Legasthene Menschen haben nun einmal das Pech, das sich ihre differenzierte Wahrnehmung ausschließlich durch ihre Fehler bemerkbar macht. Ein Laie ist da schnell mit dem Urteil bei der Hand, dass ein Mensch, der die Kulturtechniken nicht richtig beherrscht, eher als unintelligent anzusehen ist. Gute Leistungen in den Kulturtechniken werden von unserer Gesellschaft als Zeichen für ausreichende Intelligenz gewertet und diesem Irrtum sitzen sogar die meisten Pädagogen auf. Trotzdem sollten sie aber unvermindert versuchen, andere Leute über die Legasthenie aufzuklären. Je häufiger die Information fließt, um so schneller wird man auch in Österreich richtig mit diesem Begriff umgehen können. In den Vereinigten Staaten gilt heute ein legasthener Mensch als besonders begabt, da man erkannt hat, dass legasthene Menschen Dinge leisten können, die einen nichtlegasthenen nicht möglich sind zu tun. Denkt man nur daran, das legasthene Menschen imstande sind mehrere Gedanken gleichzeitig zu fassen und auch durchzuführen.

Mit meinem Sohn, 8 Jahre, war ich vor nicht allzu langer Zeit beim Schulpsychologen. Wir wurden von seiner Lehrerin dort hin geschickt, weil Markus große Probleme beim Schreiben und beim Lesen hat und in der Schule ständig den Unterricht stört. Rechnen kann er allerdings ausgezeichnet und auch sonst ist er sehr umsichtig und weiß alles.
Leider war für mich der Besuch beim Schulpsychologen sehr unbefriedigend, da mir lediglich gesagt wurde, dass mein Sohn wahrscheinlich Legasthenie hat und mir Bücher empfohlen wurden, die Übungen enthalten, welche ich mit meinem Sohn machen sollte.
Nun habe ich zufällig die Zeitung Austrian Legasthenie News in die Hand bekommen und sehe nun, dass die Problematik einer Legasthenie viel weitreichender ist, als dass man sie mit einigen Übungen verbessern könnte. Wie kann ich nun meinen Sohn wirklich helfen, seine Leistungen im Lesen und Schreiben zu verbessern?
Antwort:
Jeder Mensch, der von einer Legasthenie betroffen ist, hat seine eigene individuelle Legasthenie. Deshalb gibt es auch kein Patentrezept diese zu überwinden. Es muß also zuerst abgeklärt werden, ob ihr Sohn tatsächlich legasthen ist. Dies kann nur durch einen ausführlichen Test, den ein Spezialist durchführt, festgestellt werden. Anschließend können spezielle und individuelle Fördermaßnahmen, in die auch die Klassenlehrerin einbezogen werden kann, eingeleitet werden.

 Mein Sohn ist schon 14 Jahre alt. Nun hat man mir gesagt, dass es bei ihm bereits zu spät sei, etwas gegen seine Legasthenie zu tun. Es ist zwar schon in der Volksschule davon gesprochen worden, dass mein Sohn ein Legastheniker ist, doch Hilfe bekam ich von niemandem.
Antwort:

Selbstverständlich ist es auch bei einem Menschen von 14 Jahren noch möglich, dass man ihm zu hilft, seine Legasthenie in den Griff zu bekommen. Man muss das Training auf seine besonderen Bedürfnisse abzielen.

Meine Frau leidet heute noch unter ihrer Legasthenie und hat auch deshalb oft Depressionen. Verstärkt haben sich diese als es bei ihrer Arbeitsstelle herauskam, dass sie eine ehemalige Sonderschülerin ist. Seitdem wird sie von ihren Arbeitskollegen nicht mehr ernst genommen. Ich versuche immer sie aufzuheitern, indem ich ihr vor Augen halte, was für tolle Begabungen sie hat. Zu Beispiel beim Organisieren von Tätigkeiten ist sie wirklich sehr gut. Sie glaubt aber, dass sie dumm ist und läßt sich davon nicht abbringen. Nun meine Frage : Wie kann ich ihr helfen ?
Antwort:
Sie sollten dafür sorgen, dass eine emotional unbeteiligte Person ihrer Frau das Legastheniephänomen erklärt. Sie wird dann ihre eigene Persönlichkeit besser und leichter verstehen lernen. Leider ist in Österreich auch die Öffentlichkeit über dieses Problem viel zu wenig aufgeklärt und viele Personen werden völlig falsch eingeschätzt. Der legasthene Mensch hat das Problem, durch die Fehler die er macht von Leuten die es eben nicht besser wissen, völlig zu unrecht, als Dummian abgetan zu werden.

Die Lehrerin meines legasthenen Sohnes sagte zu mir, dass das Theater, das um die Legasthenie gemacht wird, sowieso nur eine Modeerscheinung ist und das es ihr nicht möglich ist, in der Klasse auf ihn einzugehen. Gibt es vom Gesetz her keine Maßnahmen, die ich treffen könnte ?
Antwort:
So traurig das für uns Österreicher ist, weil wir uns in dieser Hinsicht weit hinter dem europäischen Standard befinden, muss ich ihnen leider mitteilen, dass wir in Österreich keine Möglichkeit haben, vom Gesetz her etwas für unsere legasthenen Kinder zu tun. Jedes Kind, das von diesem Problem betroffen ist, ist mehr oder weniger vom Verständnis der jeweiligen Lehrperson und von deren Wissen um dieses Phänomen abhängig. Modeerscheinung ist die Legasthenie keine, den man forscht bereits seit mehr als hundert Jahren auf diesem Gebiet, eine britische Vereinigung, die sich speziell um diese Menschen kümmert, wurde 1896 gegründet. Nur in Österreich ist man aus dem Dornröschenschlaf teilweise noch immer nicht erwacht, dies zeigen so unqualifizierte Aussagen, von Personen, die sich eigentlich dazu berufen fühlen müßten, sich auch auf diesem Gebiet schlau zu machen und wenigsten diese Kinder verstehen müßten, wenn sie ihnen schon nicht helfen können.

Mein Sohn ist nun schon 12 Jahre alt, seit einem Jahr trainiere ich mit ihm nach Ihrer Anleitung. Die Fortschritte sind enorm. Sein Deutschlehrer wundert sich darüber, wie so ein Wandel möglich ist. Trotzdem hadere ich noch immer mit dem Gedanken, dass meinem Sohn so viel Frustration erspart geblieben wäre, wenn man seine Legasthenie früher erkannt hätte. Obwohl ich schon in der zweiten Klasse beim Schulpsychologen war, da die Lese- und Schreibleistungen nicht entsprechend waren, wurde mir lediglich geraten, genauer mit ihm zu lesen und mehr zu üben, alles andere würde sich von selbst geben. Wie ist es möglich, dass nicht einmal ein Schulpsychologe, der sich doch ausschließlich mit Problemkindern befaßt, eine Legasthenie erkennen kann ?
Antwort:
Die Legasthenie ist nur ein Gebiet von vielen, mit dem sich die Schulpsychologie zu beschäftigen hätte. Es ist aber ein sehr komplexes und kompliziertes Fachgebiet. Das hieße, dass eine sehr genaue Auseinandersetzung mit diesem Gebiet stattfinden müßte. Die Fortschritte Ihres Sohnes freuen mich sehr und Sie sollten nicht länger mit der Vergangenheit hadern. Sie sollten sich nur ständig darüber im Klaren sein, dass ein legasthenes Kind, im Gegensatz zu anderen Kindern, wesentlich mehr, im Bereich des Lesens und Schreibens, arbeiten muß, um zum gleichen Ziel zu kommen.

Als Schulleiterin werde ich nun immer öfters damit konfrontiert, dass Eltern von Legasthenikern verlangen, dass in der Schule mehr auf die Probleme ihrer Kinder eingegangen wird. Tatsächlich fühlen wir Lehrer uns aber damit etwas überfordert, weil wir wenig bis keine Ahnung haben, wie wir diesen Kindern weiterhelfen können. Meine Frage nun an Sie, wie kann ich diesen Kindern helfen ?
Antwort:
Auch legasthene Kinder sollten aus unserem Schulsystem einen Nutzen ziehen. Tatsächlich ist der Schulunterricht in unseren Schulen, für diese Kinder, als nicht adäquat anzusehen. Die Schuld generell auf die Lehrer zu schieben wäre nun falsch. Ansetzen müßte man in der Ausbildung der Lehrer und zwar in einem wesentlich höheren Maß, als es bisher der Fall ist. Es ist beschämend, wie sich Verantwortliche des Ausbildungsbereiches, aus der Affäre ziehen und öffentlich kundtun, dass die Legasthenie nur eine Modeerscheinung ist, also tun, als wäre dieses Thema überhaupt nicht präsent. Nicht zuletzt wird diese Ignoranz auf den Rücken der Lehrer und betroffenen Kinder ausgetragen, denn laut Statistik sitzen auch in Österreich in jeder Schulklasse 2 bis 3 legasthene Schüler.
Diese Tatsache läßt sich einfach nicht weg leugnen.
Verständnis des Lehrers um die besondere Wahrnehmung dieser Kinder und damit verbundenen Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und/oder Rechnen, ist zwar sehr wichtig, aber auch allgemeine Unterrichtsideen. Tatsache ist aber, dass man von einem Lehrer, der ja zwanzig oder mehr Kinder zu betreuen hat, nicht abverlangen kann, ausreichend auf die Bedürfnisse legasthener Kinder einzugehen, er müßte über ein ausreichendes Wissen der Thematik verfügen und seinen Unterricht völlig ändern. Erstrebenswert wären Legastheniespezialisten, die unterstützend dem Klassenlehrer zur Seite stehen müßten. Erstrebenswert wären auch sogenannte Legasthenieklassen, die es in vielen Ländern gibt. Denn eines weiß man genau, legasthene Kinder erlernen auch das Lesen, Schreiben und Rechnen, nur auf eine andere Art und Weise und wesentlich langsamer als nichtlegasthene Kinder.

Beim meinem Sohn wurde eine Legasthenie festgestellt. Nun ist es mir leider aus finanziellen Gründen nicht möglich mir eine Hilfe zu kaufen. Was kann ich tun?
Antwort:
Mehr als zweitausend Unterschriften ignoriert !
Der Kärntner Landesverband Legasthenie versucht seit nunmehr zwei Jahren bei der zuständigen Stelle in der Landesregierung, Sozialreferat, eine Hilfe für bedürftige legasthene Kinder zu bekommen. Mehr als zweitausend Unterschriften wurden gesammelt und Frau Landesrat Achatz von der SPÖ übergeben. Leider wartet der Landesverband bis heute auf eine Antwort. Anscheinend sind für diese zuständige Stelle die Probleme jedes zehnten Kindes in Kärnten nicht wichtig genug.
Ein Pseudounterricht in Form von Deutschnachhilfe, wie es von einem Verein, welcher der Landesregierung nahe steht, angeboten wird, den die Eltern auch bezahlt bekommen, ist keine ausreichende Förderung für ein legasthenes Kind!
Der Kärntner Landesverband Legasthenie ist ein gemeinnütziger Verband, der keinerlei öffentliche Förderungen erhält. Trotzdem konnte aus Spendengeldern schon vielen, bei weitem aber nicht allen Kindern geholfen werden.
Mit der Kärntner Krone wird derzeit eine Aktion für zwanzig Kinder durchgeführt, die für ein Jahr ein gezieltes Legasthenietraining erhalten.

Bitte wenden Sie sich an den KLL für zukünftige Aktionen.

Mein Sohn hat im Feber dieses Jahres ein dreißigstündiges Legasthenietraining nach der Davismethode absolviert. Ich möchte mich auf diesem Wege bei Frau Dr. Kopp- Duller für ihren Einsatz recht herzlich bedanken. Für mein Kind hat ein neues Leben begonnen, er kann nun ohne Kopfschmerzen zu bekommen lesen, sein Selbstwertgefühl wurde so gestärkt, dass alle Mißerfolge, die er in seinen zehn Schuljahren hinnehmen mußte, wie weggeblasen erscheinen. Er verschlingt ein Buch um das andere, da es ihm nun möglich ist auch den Inhalt des Gelesenen zu erfassen. Die Lehrer in der Schule bestätigen mir, er ist wie ausgewechselt. Es tut mir sehr leid, dass ich Sie nicht zehn Jahre vorher getroffen habe. 


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