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Legastheniker - heissen so die dummen Kinder reicher Eltern ?

Die Bargpang

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Der rotgrüne Kasperl greift ein

Notzeiten

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Die Bekränzung des Burgenlandes oder das Wunder des Gymnasiums

Ausgeflippt mit zehn Jahren

Solcherart stellte sich also heraus, daß die entscheidende Klippe der Übergang von der Grundschule (Volksschule) zu den höherbildenden Schulen ist. Danach steht die Rechtschreibung nicht mehr so im Zentrum allen Wohl und Wehes. Aber, wie viele Legastheniker scheitern an dieser Hürde und werden dann oft weit unter ihren Fähigkeiten eingestuft, in B-Züge oder Sonderschulen verdammt, und stehen so bereits mit 10 Jahren am Ende ihrer Zukunftskarriere. Ich unterhielt mich mit einer jungen Hauptschullehrerin eines solchen B-Zuges, die zwischen wirklich unintelligenten Kindern und sozial geschädigten auch eine Reihe Legastheniker hatte, die sich bereits völlig fallengelassen hatten. Zum späteren Hilfsarbeiter verurteilt, denn welche Lehrherr würde derzeit eine Lehrstelle an ein solches Kind abgeben, wurden sie rasch Rädelsführer der Klasse bei allen dummen und bösen Streichen. Es gibt sogar Psychologen, die eine Verbindung zwischen Legasthenie und Kriminalität sehen wollen. Es ist traurig anzunehmen, daß die einzige Möglichkeit eines solchen Kindes später in eine leitende Position zu kommen, die seinen Fähigkeiten entspricht, die eines Gangsterbosses ist.

Dies alles hatte ich bei Adi vor Augen, dagegen kämpfte ich verbissen. Frl. Oppitz hatte von der ersten Klasse an fleißig mit Adi geübt. Wenn auch die Hexe Ene-Bene-Mene ihn nicht aus ihren Klauen ließ, so stellten sich auch bei ihm kleine Erfolge ein, vor allem bei Gedächtnisübungen. Hier mußte eine am Vortag angegebener Text am nächsten Tag aus dem Gedächtnis niedergeschrieben werden und hier gelangen Adi immer wieder fehlerfreie Arbeiten.

Was man so fehlerfrei nennt! Adi war mit dem setzen der Ü - Stricherln äußerst schusselig und jedes fehlende Paar wurde als Fehler gezählt. Da hatte er alle Hürden der Groß- und Kleinschreibung genommen, alle Verdoppelungen richtig gesetzt, keine Buchstaben aus die stummen H's nicht vergessen und dann rissen die blöden Ü-Stricherln die Note herunter, Irgendwann packte mich dann die stille Wut. Was hatten die ÜStricherl mit dem Newton'schen Gesetz zu tun, was mit Friedrich Barbarossa und was mit Integralrechnung? Warum sollte mein Bub von all dem nichts erfahren dürfen, nicht lernen dürfen, wie sich die höheren Bandwürmer fortpflanzen, nur weil er zu wenig " setzte ? Ich hielt Adi dies sehr ernsthaft vor Augen, bat ihn inständig beim Durchlesen seiner Arbeiten ein besonderes Augenmerk darauf zu richten. Bald darauf fand ich in seinem Heft: Die Üntersüchüng des Büchclübs der Jügend. Zur Vorsicht hatte er alle U's mit Stricherln versehen - Adi, mein dümmer Büb !!

Wenn er nach einem so wenig erfolgreichen Tag aus der Schule nach Hause heimkam, zog er sich meist in sein Zimmer zu Romeo und Julia, seinen beiden Wellensittichen, zurück, plauderte mit ihnen und bastelte. Aus Legosteinen baute er phantasievolle Flugkörper und Raketen, eine Seibahn, die auf Rollen über ein Trag- und Zugseil lief und die er einbremsen konnte. Eines Tages aber überraschte er mich mit der ,,schnellsten Maschine der Welt", einem abenteuerlichen Gebilde aus Fischer-Technik mit Zahnrädern in allen Größen, Übersetzungen, Schraubenspindeln, Bolzen, Walzen, Kurbeln und Hebeln. Drehte man auf der einen Seite ganz langsam an einer Kurbel, bewegte sich am anderen Ende der Maschinerie ein Flügelrad mit solcher Geschwindigkeit, daß nach kürzerster Zeit die Propellerflügel von der Fliehkraft abgerissen, wie Geschosse durchs Zimmer sausten.

Einmal beim Saubermachen fiel mir die Maschine in zwei Teile. Ich war nicht imstande sie wieder zusammenzusetzen, so kompliziert war sie gebaut.

War Adi wirklich ein so dummer Bub?

Wir hatten ja noch ein Jahr Volksschule vor uns. Zeit genug um abzuwarten, wie er sich entwickeln würde. Aber nun kamen die Probleme wieder von einer Seite auf uns zu, mit der wir nicht mehr gerechnet hatten.

 

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