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| "Vollständige
Erstveröffentlichung einer wahren Familiengeschichte. Nehmen Sie sich doch
die Zeit diese aufregende Geschichte zu lesen, vielleicht hilft Sie Ihnen
ihr eigenes Leben besser zu verstehen."
Mario
Engel
Jolanda
Poppovic Legastheniker - heissen so die dummen Kinder reicher Eltern ? Wer
hat mien Fschngskrpfn gsn ? Mein lieber vatter ich wels gewis vieh Die Bekränzung des Burgenlandes oder das Wunder des Gymnasiums Tina wurde also ins Gymnasium aufgenommen. Aufgeregt und viel zu früh zog sie am ersten Tag an der Seite ihrer Freundinnen los. Die Schule war mit der Straßenbahn zu erreichen, noch dazu mit umsteigen, was an sich schon ein Abenteuer darstellte. Wieder zu Hause angekommen, erzählte Sie begeistert von der Vielfalt der Bücher, der Lehrer und der neuen Eindrücke. Sorgfältig hatte sie die Namen der Professoren und Gegenstände in ihr Heft eingetragen. Glasenforschtand: Dr. Kriegel stand da zu lesen. Oh Gott, wenn das nur gut ging! Da mußte ein Wunder geschehen. Und das Wunder geschah! Plötzlich war die schwache Rechtschreibung völlig aus dem Mittelpunkt gerückt, Tinas Grundschullehrerin konnte und wollte nie glauben, daß sie ein kluges Kind war bei den vielen Rechtschreibfehlem, die sie machte und war immer geneigt, ihr auch in allen anderen Gegenständen schlechtere Zensuren zu geben. Nun war es der Geographielehrerin ganz egal, daß da in Tinas Heft: ,,Die Bekränzung des Burgenlandes" stand, da doch Tina genau wußte, daß dieses im Norden von der Donau, im Osten von der ungarischen Tiefebene, im Westen vom Wiener Becken und im Süden vom Leithagebirge begrenzt wurde. Wenn sie auch in Geschichte die Namen der griechischen Götter auf das köstlichste verballhornte, sie kannte sich genau in deren verzwickten Verwandschaftsverhältnissen aus, was bei dem Lotterleben dieser Herrschaften gar nicht leicht war. Wenn sie auch schrieb ,,Alexander der grose und sein Herr" so wußte sie doch um die Beziehung zwischen der Schlacht von Salamis und dem Kampf um die Thermophylen. Auch wenn letztere in ihrem Heft eher nach einer ausgefallenen Hautkrankheit aussahen als nach einem Gebirgszug in Griechenland. In Mathematik und Physik war sie von Anfang an ein Star, was zu erwarten war. Zeichnen liebte sie, als begeisteter Opernfan kam sie in Musik groß heraus. Tina war geradezu in einer Euphorie. Selbst in Deutsch ging es recht gut. Dr. Kriegel, die auch Yoli unterrichtete, hatte viel Verständnis für Tinas Probleme. Keineswegs rechnete sie ihr jeden Flüchtigkeitsfehler schwer an, wenn da nicht statt nicht stand, abr statt aber, so besserte sie es wohl rot aus, aber es wurde nicht weiter beachtet. So reichte es immer zu befriedigenden Noten, was Tina ganz besonders glücklich machte. Die erste Englischansage holte uns wieder auf die Erde zurück. Es wimmelte nur so von Fehlern. Manche Wörter waren fast nicht zu verstehen- Sengju stand da und sollte Thank you heißen. Es war klar -auch hier kamen die Rechtschreibprobleme und die Speicherschwäche voll zum Tragen. Englisch ohne Nachhilfe, das würde nicht gehen. Yoli, jetzt bereits im letzten Jahr des Gymnasiums, verdiente sich seit langem schon ihre Sommerreisen duch Nachhilfestunden in Englisch und Latein. Sie war bei ihren Schülern sehr beliebt und hatte große Erfolge. Sofort trat ich nun in Verhandlungen ein, die von beiden Seiten mit viel Entgegenkommen geführt wurden und von Stund an steckten meine beiden Töchter zweimal in der Woche eineinhalb Stunden ihre Köpfe zusammen und arbeiteten. Zuerst achtete Yoli darauf, daß Tina eine gute und genaue Aussprache hatte, schon damit konnten viele Fehler vermieden werden. Da es im Englischen kaum Rechtschreibregeln gibt, ließ sie Tina ganze Lektionen auswendig lernen und aus dem Gedächtnis niederschreiben. Dies erleichterte auch das Vokabellernen. Da man einem Legastheniker die Rechtschreibfehler nie ganz austreiben kann, ein Wort wie nevertheless zum Beispiel bietet eine unerschöpfliche Anzahl von Fehlerquellen, drillte sie Tina besonders in Grammatik, damit sie hier ein Ass würde. Sätze wie: If Uncle Tom had not had a new car, they would not have had a fine day (Wenn Onkel Tom kein neues Auto gehabt hätte, hätten sie keinen schönen Tag verbracht) bereiteten ihr nicht die geringsten Schwierigkeiten und verhalfen ihr trotz einiger spektakulärer Rechtschreibfehler bei den Klassenarbeiten zu guten Noten. Als der Sommer kam und Tina erstmals ein hervorragendes Zeugnis nach Hause brachte, (sie verpaßte nur um einen Punkt das ,,Vorzüglich", was einem Notendurchschnitt von 1,5 entspricht) waren wir unendlich glücklich, wenigstens mit einem Kinde keine Probleme und Sorgen mehr zu haben.
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