Kärntner
Landesverband
Legasthenie

Fernstudium zum diplomierten Legasthenietrainer
 
Homepage des Kärntner Landesverbandes Legasthenie Neuigkeiten vom  Kärntner Landesverband Legasthenie Ziele des des Kärntner Landesverbandes Legasthenie Übersicht des Angebotes des des Kärntner Landesverbandes Legasthenie Austrian Legasthenie News Die Legasthenie Bibel Tipps zum Lesen
Links zu den besten Legasthenie Sites Einkaufen beim Kärntner Landesverband Legasthenie Angebote des des Kärntner Landesverbandes Legasthenie Knopf im Kopf
European Dyslexia Association
Kalender des des Kärntner Landesverbandes Legasthenie Ausbildung zum diplomierten Legasthenietrainer
    "Vollständige Erstveröffentlichung einer wahren Familiengeschichte. Nehmen Sie sich doch die Zeit diese aufregende Geschichte zu lesen, vielleicht hilft Sie Ihnen ihr eigenes Leben besser zu verstehen." Mario Engel

Jolanda Poppovic
Knopf im Kopf
Hilfe meine Kinder haben Legasthenie

Legastheniker - heissen so die dummen Kinder reicher Eltern ?

Die Bargpang

Wer hat mien Fschngskrpfn gsn ?
Der rotgrüne Kasperl greift ein

Notzeiten

Der Sommer, der nun folgte, war warm und wundervoll. Adi unser Jüngster, sollte erst im Herbst in die Schule kommen und hatte noch keine Probleme. Tina war fröhlich und entspannt. Schon lange hatte sie den Wunsch gehabt, den Attersee zu überschwimmen, und da die warme Witterung es zuließ und das Wasser genügend erwärmte, wagte sie die Überquerung neben ihrem Vater im Beiboot schwimmend und es gelang ihr beim ersten Versuch. Da der See an dieser Stelle fast 3 km breit ist, wurde sie von ihren Freunden zu Recht sehr bewundert.

Wir machten einen Ausflug nach Salzburg mit Besuch der Festung. Diese erreicht man mittels einer steilen Zahnradbahn, was den Kindern große Freude bereitete. Wir besichtigten die Burg mit einer Führung, ein alter Burgkustos erzählte Spannendes und Skurriles aus der Geschichte und meine Beiden lauschten mit roten Ohren.

Den größten Spaß aber hatten wir als wir zur "Bauernkriege-Ausstellung" in die Burg Schamstein fuhren. Schon im Auto erzählte ich den Kindern, daß im 3Ojährigen Krieg der österreichische Kaiser das Land an Bayern abgegeben hatte. Die Bauern dieses Landes, die protestantisch waren, wehrten sich verzweifelt und aussichtslos mit selbstgemachten Waffen gegen den bayrischen Statthalter Graf Herberstorff der das Land rekatholisieren wollte. In der Ausstellung sahen wir dann die "Morgensterne", auf hölzerne Besenstiele gesteckte Eisenkugerln mit Spitzen rundherum, umgebaute Dreschflegel und Sensen.

Ein Raum der Ausstellung war mit großen beleuchteten Panoramen versehen, in denen markante Szenen aus dem Krieg mit Zinnfiguren dargestellt waren. Man sah das "Frankenburger Würfelspiel" wo unter einer großen Eiche jeweils 2 Bauern um ihr Leben würfeln mußten; mehrere Verlierer hingen bereits im Geäst, dann eine Landschaft mit einem Bauemgehöft, aus dem auf Knopfdruck rot beleuchtete Papierflammen züngelten. Das größte Schaubild war "Der Einzug des Grafen Herberstorff und seines Gefolges". Hunderte von Zinnfiguren bevölkerten den Zug. Zuerst die Fahnenträger mit den bayrischen Standarten, dann eine Gruppe Fußvolk, es folgten die Vorreiter in der Mitte der neue Landesheif mit seinem Gefolge, dann die Nachhut und so weiter. Ganz hinten im Zug fuhr ein Planenwagen, nicht größer als eine halbe Zündholzschachtel. "Was ist das drin?", wollte Adi wissen. "Da wird Munition mitgeführt", improvisierte ich sofort.

Mein Sohn sah genauer hin und sagte laut mit seiner hellen Stimme:"Da ist aber eine Dame mit nacktem Busen drin!" Und wirklich, durch eine Öffnung, nicht größer als ein Daumennagel, sah man im Dunkel des Wageninnern eine klitzekleine, leichtgeschürzte Marketenderin, deren Taille ein ebenso winziger Kavalier umfangen hielt. Das hatte bis jetzt nicht einmal der Museumsaufseher bemerkt. Flüsternd erzählte er es seinem Kollegen, der rasch herbeikam und bald drückten sich alle Besucher im Raum kichernd die Nase an der Scheibe vor dem Schaubild platt und amüsierten sich über den kleinen frivolen Scherz.

Aber auch der schönste Sommer geht zu Ende. Der Herbst kam und unser kleiner Adi wurde eingeschult. Eigentlich heißt er Alexander, aber da er als Kleinkind die Abkürzung Ah immer als Adi aussprach, blieb ihm dieser Name. Zum Unterschied von Tinas ruhigem Wesen war er ein schrecklicher Wildfang. Schon als ich ihn erwartete, ließ er mich nachts nicht schlafen, wenn er sein vehementes Turnprogramm absolvierte. Groß und lang und etwas zu dünn geraten, raste er durch die Gegend. Wenn er lief, und das tat er eigentlich immer, lief er so lange bis er hinfiel, es war nur die Frage, ob dies schon nach drei Schritten oder erst nach mehreren geschah. Ich war Stammkunde in der örtlichen Unfallambulanz. Mit zwei Jahren krachte er durch eine Glastüre, dabei versetzte er sich Schmisse im Gesicht, die ihn zum Ehrenmitglied jeder schlagenden Studentenverbindung machen könnten. Später riß er sich bei einem Sturz vom Badesteg am Attersee eine ordentliche Ecke Fleisch aus dem Oberschenkel. Von aufgeschlagenen Knien und Ellbögen wollen wir garnicht sprechen.

Den schwersten Unfall hatte er, als er in wilder Fahrt mit seinem Kinderfahrrad auf der abschüssigen Spielstraße vor unserem Haus stürzte und bewußtlos liegenblieb. In rasender Fahrt brachte ich ihn ins Krankenhaus. Dort kam er dann langsam zu sich. Er hatte eine schwere Gehirnerschütterung und mußte wochenlang liegen und durfte nicht einmal den Kopf heben.

Durch Vermittlung unserer Kinderärztin konnten wir ihn nach Hause nehmen, wo er liebevoll von Ernestine, unseres Hauses gutem Geist, gepflegt wurde. Sie saß an seinem Bett und las ihm vor, sie schnitt ihm sein Essen in kleine Happen, Reiterchen genannt, die sie einzeln mit Zahnstochern versah, damit er alleine essen konnte und sich so weniger hilflos vorkam.

Die Krisenzeit ging gut vorüber. Ein EEG zeigte, daß er keine bleibenden Schäden hatte, aber Monate danach war er noch sehr schonungsbedürftig und konnte nicht in seinen heißgeliebten Kindergarten gehen. So aber versäumten wir bei ihm die Vorschulblätter und zogen ungewarnt in das Abenteuer Schule.

Adi wurde also im Herbst eingeschult. Wirklich großes Interesse hatte er eigentlich nur an der großen Schultüte, die er am ersten Tag bekam und deren Inhalt er genußvoll verspeiste. Sonst zeigte er sich eher indifferent. Er machte seine Hausaufgaben und war nicht weiter engagiert.

Einige Wochen nach Schulanfang fiel mir auf daß in dem Schälchen auf meinem Arbeitstisch, in dem ich abgerissene Knöpfe, irgendwo herausgefallene Schräubchen, verbogene Büroklammern und herumliegendes Kleingeld sammelte, sich die Münzen merkwürdig reduzierten. Dann wenig später fehlte aus meiner Geldbörse ein Zwanzigschillingschein, von dem ich genau wußte, daß er darin gewesen war. Wo kam das Geld hin? Ein paar Tage darauf lag Ernestines Geldbörse merkwürdig halboffen neben ihrer Handtasche. Jetzt schlug eine innere Glocke bei mir Alarm. Stahl hier jemand im Haus ? Wer war der Dieb?

Eines abends fand ich in Adis Blue-Jeans einen Zwanzigschillingschein. Als ich ihn erschreckt fragte, wo der her sei, erklärte er uns, er hätte ihn von der Lehrerin für eine besonders gute Leistung bekommen. Da das ja nun nicht möglich war, nahm ich ihn gehörig in die Zange und nachdem er zuerst behauptete, ein Freund hätte es ihm geschenkt, gab er zu, den Schein seinem Banknachbarn aus dem Fach gestohlen zu haben. Der Schock war fürchterlich. Da nützt es garnichts zu wissen daß Kinder nicht aus krimineller Neigung stehlen, sondern zumeist aus seelischer Bedrängnis. Einen Dieb, der Eltern, Freunde und Kollegen bestiehlt zum Sohn zu haben, ist schrecklich. In einer traumatischen Vision sah ich mich in einem Gefängniszimmer (wie wir es ja alle aus vielen Fernsehkrimis kennen) meinem Sohn gegenübersitzend, der mir seine langen und dünnen Arme durch ein Gitter entgegenstreckt.

Sehr , sehr ernst sprach Ulrich mit seinem Sohn, versuchte ihm die Schändlichkeit seines Handelns zu erklären. Wir entwickelten einen Plan, wie Adi am nächsten Tag früher in die Schule gehen sollte und das Geld unbemerkt zurücklegen sollte.

Wenn aber Kinder aus psychischen Nöten stehlen, wo war Adis Problem und was tat er mit all dem Geld, wo er doch von uns seine Wünsche erfüllt bekam? Spät gekommener Wunschsohn war er der fröhliche Liebling der ganzen Familie, von seinem Vater heißgeliebt, von seinen größeren Schwestern verwöhnt - wo war seine Not?

Wenige Tage später wußten wir es. In seinem Mitteilungsheft stand von der Lehrerin geschrieben:
Adi muß in die Förderstunde kommen. Er kann überhaupt nicht lesen ! Jetzt war es heraus. Die Förderstunde ist eine an sich gutgemeinte Einrichtung, wo alle Kinder einer Klasse, die irgendwo Schwierigkeiten haben, nach der Schulzeit noch eine Stunde länger arbeiten müssen, um ihre Mängel zu bewältigen. Da saßen sie nun, die Unintelligenten, die noch zu Kindlichen, die Entwicklungsgestörten und die Legastheniker beisammen und sollten den Stein der Weisen finden.

Sofort sprach ich mit Frl. Oppitz. Sie holte Adi zu sich und tatsächlich, er konnte einfach nicht lesen. Er war nicht imstande aus M,A,M,A ein Wort zu bilden. Immer wieder fing er an M . . A . . M hilflos blickte er um sich - es ging nicht. Wieso hatte ich es noch nicht bemerkt? Als Hausaufgabe hatte er immer nur den Schulstoff zu wiederholen und sagte, was aus dem reichbebilderten Lesebuch ja nicht schwer war, einfach alles auswendig herunter.

Nun mußte sofort etwas geschehen. Ich nahm ihn aus der Förderstunde heraus und versprach seiner Lehrerin, privat mit ihm zu lernen. Nun griff der rot-grüne Kasperl ein. Er zeigte Adi, wie man es machen müßte. Bald tönten durch unser Haus lange Klagelaute Maaa-mmmmmaaaa. Mmmmmuuutttiiii. Mmmmmiiiimmmmiiii.

Frl. Oppitz ließ die Buchstaben "nachlaufen" spielen. Zuerst klingt das M alleine, solange bis es das A gefangen hat, dann klingen, beide Mmmaa zusammen bis das A den nächsten Buchstaben gefangen hatte. Kein Buchstabe durfte allein tönen, alle mußten sich an der Hand nehmen.

Es dauerte keine drei Wochen und wir hatten es geschafft. Adi KONNTE lesen, da gab es keinen Zweifel. Seither, bis zum heutigen Tag hat er im Lesen gute Noten. Nach wie vor hat er sich eine etwas großzügige Improvisation behalten und es kann vorkommen, daß er ganz ernsthaft mit dem Finger die Worte verfolgend, den Text "Das Krokodil vom Nil, das frißt sehr viel" mit "Das Krokodil vom Fluß hat großen Hunger" interpretiert. Aber so kleinlich wollen wir doch garnicht sein.

Kurz darauf fanden wir auch sein Munitionslager. Zwischen Wand und Rücken seines Spielzeugschrankes hatte er sich ein enormes Arsenal von Schokoladen, Zuckerln, Lutschern und anderen Süßigkeiten angelegt. Für Notzeiten, wie er uns erklärte. Da war er nun in seinem Winkel gesessen, der kleine Wicht, und hatte im wahrsten Sinne des Wortes seinen Kummer, seine Schulangst und seine Enttäuschung in sich hineingefressen. Wenn für Eltern, für die betroffenen Kinder und für die Lehrer die Legasthenie eine Geißel ist, wenigstens die Zahnärzte sollten sich darüber freuen.

Erfolgserlebnisse

Mein lieber vatter ich wels gewis vieh

Die Bekränzung des Burgenlandes oder das Wunder des Gymnasiums

Ausgeflippt mit zehn Jahren

Ingemar Stenmark ist der Größte - Tinas Rückfall

Da blieb kein Auge tränenleer

Ich bin ein armer lahmer Hase

Geheimnisvolle Welt der Seele

Hoffnung auf ein gutes Ende

NACHWORT