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    "Vollständige Erstveröffentlichung einer wahren Familiengeschichte. Nehmen Sie sich doch die Zeit diese aufregende Geschichte zu lesen, vielleicht hilft Sie Ihnen ihr eigenes Leben besser zu verstehen."  Mario Engel

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Ich bin ein armer lahmer Hase

Tina hatte also wieder eine Runde geschafft. Aber wie würde Adis Zeugnis aussehen ? Tageland vor der Verteilung hatte er schon Bauchweh vor Angst. Als er mir dann entgegenkam mit einem großen Zuckerschlecker als Trost im Mund, ahnte ich gar Schlimmes. Tatsächlich, er hatte ganz schlechte Noten in Deutsch und in Schreiben, untermittelmäßige in Rechnen, aber auch in allen anderen Gegenständen. Sollte er auch in den Hauptgegenständen wirklich schlecht sein, warum wurde er auch in allen Nebengegenständen als so schwach befunden? Warum in Heimatkunde, die ihn brennend interessierte, konnte er doch alle 22 Bezirke Wiens auswendig? Wohl weil er über die Rechtschreibung von Leopoldstadt und Floridsdorf gestolpert war. Warum in Musik? Adi sang die Kolloraturane der Königin der Nacht aus der Zauberflöte lupenrein, da sollte er an "Alles neu macht der Mai" gescheitert sein? Nur in Turnen hatte er ein Sehr gut vorzuweisen. War mein Sohn wirklich nichts anderes als ein kleines behendes Äffchen?

Jetzt wollte ich es endlich genau wissen. Man sollte ihn nicht überfordern und wir würden einen Lebensweg für ihn finden müssen, der seinen Fähigkeiten angepaßt war. Wieder riefen wir Dr. Kriechbaum zu Hilfe, die uns so gut aus Tinas Schwierigkeiten geführt hatte. Wir erzählten ihr, daß weniger Adis seelische Probleme es wären, die uns beschäftigten, er war ein anschmiegsamer fröhlicher kleiner Geselle, sondern, daß es in diesem Falle darum ginge die Grenzen seiner Möglichkeiten festzustellen.

Adi war drei Stunden bei ihr, füllte Fragebogen aus, zeichnete und malte, legte Puzzles zusammen, erzählte Bildgeschichten, las, schrieb und spielte mit einem Bauernhof und kleinen Männchen. Als Dr. Kriechbaum uns drei Tage später zu sich bat, fühlte ich mich wie vor einer Urteilsverkündigung. Würde unser Sohn als gewogen und zu leicht befunden worden sein ? Wenn auch die Unfehlbarkeit solcher Tests zu Recht angezweifelt wird, bald würden wir mehr über Adi wissen, so schmerzhaft dies auch für uns sein mochte.

Und dann warf uns das Ergebnis fast vom Stuhl. Sprachlos folgten wir Dr. Kriechbaums Ausführungen. Adi hatte hohe und höchste, weit über dem Durchschnitt liegende Werte im logischen Intelligenzbereich - kurz er war ein gescheiter kleiner Junge. Eine Wahrnehmungsunreife, vor allem im akustischen Bereich, er konnte einfach den Unterschied zwischen b und p, d und t nicht hören, war festzustellen. Er hatte eine fahrig visuell-motorische Koordination, daher auch die schreckliche Schrift. Dies und seine Linkshändigkeit stelle den Hintergrund seiner Legasthenie dar. Dr. Kriechmann war sicher, daß bei guter Nachhilfe ein Abflauen dieser Schwierigkeiten erfolgen würde. Insgesamt habe er aber unbedingt Gymnasiumsbegabung. Aber wie sah es um die Seele unseres so fröhlich scheinenden kleinen Wichtes aus ? Er hatte bereits eine handfeste Neurose durch seine partiellen Leistungsschwierigkeiten, er traute sich auf keinem Gebiet mehr etwas zu. Er zog sich in seine kindliche Welt der Phantasie zurück und suchte Schutz bei seinen Eltern. Er glaubte nicht mehr an sich und hielt sich für dumm.

Wer hatte denn an ihn geglaubt ? Hatten wir, seine Eltern, de ihn liebten, seine Lehrerin, die ihm wohlwollte, ihn nicht auch für dumm gehalten ? Anstatt ihn zu unterstützen, hatten wir ihn noch immer mehr hineingetrieben in seine Hilflosigkeit. Als er sich als Tier darstellen mußte, schrieb er: ,,Ich bin ein armer lahmer Hase, alle anderen spielen und toben herum, ich ich kann nicht mittun." Unser wilder Adi, der höher kletterte als alle anderen, tiefer tauchte, schneller radelte und immer der tollkühnste sein mußte, sah sich als armer lahmer Hase. Oder wollte er mit dieser Verwegenheit nur kompensieren, daß er sich geistig so behindert fühlte?

 

Geheimnisvolle Welt der Seele

Hoffnung auf ein gutes Ende

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